GRODEK
von Georg Trakl aus dem Jahre 1914/Ostfront

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder

Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen

Und blauen Seen, darüber die Sonne

Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht

Sterbende Krieger, die wilde Klage

ihrer zerbrochenen Münder.

Doch stille sammelt im Weidengrund

Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt

Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;

Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.

Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen

Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,

Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;

Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.

O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,

Die ungebornen Enkel.

"Ein Winterabend"

GEORG TRAKL 
aus 
De Profundis

Der österreischiche Lyriker Gorg Trakl (1887-1914) der vielleicht bedeutendste Dichter des Frühexpressionismus, schuf ein an Tiefe kaum auslotbares Werk, teilweise unter Drogeneinfluss entstanden, das in seiner Zeit und auch heute noch seinesgleichen sucht. 

Die sensible und ungeheure Kraft der Trakl*schen METAPHORIK ist unfassbar genial, sein nachhaltiger Einfluss auf die deutsche Lyrik im 20.Jahrhundert und auch heute noch bzw. wieder, ist evident und eminent.

Trakls Grunderfahrungen sind die des Leids des Ausgeiefertseins an ein infernalisches Chaos von Rhythmen und Bildern, das den hochsensiblen Dichter, der eigentlich nicht von dieser materiellen Welt war, zusehends bedrängte. Insbesondere seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg" (siehe das Poem "Grodek"...) haben ihn peu a peu in den Freitod getrieben, was uns statim an Novalis und Kleist denken lässt.

Im folgenden  weitere "Klassiker" des metaphorischen Trakl*schen Werkes. Wir setzen die Reihe mit "Ein Winterabend" fort...

 

Ein Winterabend

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,

Lang die Abendglocke läutet,

Vielen ist der Tisch bereitet

Und das Haus ist wohlbestellt.

 

Mancher auf der Wanderschaft

Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.

Golden blüht der Baum der Gnaden

Aus der Erde kühlem Saft.

 

Wander tritt still herein;

Schmerz versetinerte die Schwelle.

Da erglänzt in reiner Helle

Auf dem Tische Brot und Wein.

Georg TRAKL
Lyrik aus DE PROFUNDIS

Menschheit

Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,

Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,

Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen Eisen schellt,

Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:

Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.

Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.

Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen

Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.-

Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;

Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.

GEORG TRAKL
DER HERBST DES EINSAMEN

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,

Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.

Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;

Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.

Gekelter ist der Wein, die milde Stille

Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

 

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;

Im roten Wald verliert sich eine Herde.

Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;

Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.

Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel

Ein Dach von dürrem troh, die schwarze Erde.

 

Bald nisten Aterne in des Müden Brauen;

In kühle Stuben kehrt ein stilles Bescheiden

Und Engel treten leise aus den blauen

Augen der Liebenden, die sanfter leiden.

Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,

Wenn schwar der Tau tropft von den kahlen Weiden.

Georg Trakl

Ruh und Schweigen

Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald.

Ein Fischer zog

In härenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.

 

In blauem Kristall

Wohnt der bleiche Mensch, die Wang' an seine Sterne gelehnt;

Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.

 

Doch immer rührt der schwarze Flug der Vögel

Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen,

Denkt die nahe Stille des Vergessens, erloschene Engel.

 

Wieder nachtet die Stirn in mondenem Gestein;

Ein strahlender Jüngling

Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.

 

 

Abtransport Trakls zum Feldspital 7/14 in Galizien (24.8.1914), Einsatz in der Schlacht von Grodek/Rawa-Ruska (6. bis 11.9.1914), Stationierung in Limanowa, Einweisung in das Garnisonsspital in Krakau zur Beobachtung seines Geisteszustandes, Tod durch Kokainvergiftung (3.11.1914)

Werkausgaben von Georg Trakl:

Gedichte, 1913

Sebastian im Traum, 1914

Der Hebrst des Einsamen, Gedichte 1920

Gesang des Abgeschiedenen, Gedichte 1933

Die Dichtungen, hg. von K.Horwitz, 1945

Offenbarung und Untergang, Die Prosadichtungen 1947

Gesammelte Werke, 3 Bände: Die Dichtungen,1948, Aus goldenem Kelch. Die Jugenddichtungen, 1951,Nachlaß und Biografie. Historisch-kritische Ausgabe, 2 Bde, hg. v. W.Killy und H.Szklenar

Alle Gedichte, die auf diesem Blog, Rubrique Lyrik programmiert werden, stammen aus: 

GEORG TRAKL, DE PROFUNDIS, AUSGEWÄHLTE GEDICHTE,HEYNE LYRIK,ZUSAMMENGESTELLT UND HERAUSGEGEBEN VON MANFRED KLUGE,WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN 1986

Auszug aus Walt Whitmann...
US-amerikanischer Romantiker des 19.Jahrhunderts

"Oh ich, oh Leben! auf all diese 

wiederkehrenden Fragen,

Auf diesen unendlichen Zug der Ungläubigen,

auf die Städte, die voller Narren sind,

Was habe ich darauf für eine Antwort - 

oh ich, oh Leben ?

Dies aber ist die Antwort:

Du bist hier, damit das Leben blüht

und die Persönlichkeit,

Damit das Spiel der Mächte weitergeht

und du deinen Vers dazu beitragen kannst."

 

Aufbruch der Jugend
von Ernst Lotz

Die flammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen,

Wolken, dunkel gebogen, und Häuser zerschcnitten vom Licht.

Müdigkeiten, die aus verwüsteten Nächten über uns kamen.

Köstlich gepflegte, verwelkten wie Blumen, die man sich bricht.

 

Also zu neuen Tagen erstarkt wir spannen die Arme,

Unbegreiflichen Lachens erschüttert, wie Kraft, die sich staut,

Wir Truppenkolonnen, unruhig nach Ruf der Alarme,

Wenn hoch und erwartet der Tag über Osten blaut.

 

Grell wehen die Fahnen, wir haben uns heftig entschlossen,

Ein Stoß ging durch uns, Not schrie, wir rollen geschwellt,

Wie Sturmflut haben wir uns in die Straßen der Städte ergossen

Und spülen vorüber die Trümmer zerborstener Welt.

 

Wir fegen die Macht und stürzen die Throne der Alten,

Vermoderte Kronen bieten wir lachend zu Kauf,

Wir haben die Türen zu wimmernden Kasematten zerspalten

Und stoßen die Toree verruchter Gefängnisse auf.

 

Nun kommen die Scharen Verbannter, sie strammen die Rücken

Wir pflanzen Waffen in ihre Hand, die sich fürchterlich krampft,

Von roten Tribünen lodert erzürntes Entzücken,

Und türmt Barrikaden, von glühenden Rufen umdampft.

 

Beglänzt von Morgen, wir sind die verheißnen Erhellten,

von jungen Messiaskronen das Haupthaar umzackt,

Aus unseren Stirnen springen leuchtende, neue Welten,

Erfüllung und Künftiges,Tage ,Sturmüberflaggt !

aus: expressionistische Gedichte, hg. von Peter Rühmkorf, Wagenbachs Taschenbücherei 1976

Gedicht zum ersten Mal von Lotz in "Wolkenüberflaggt" publizieret...

Weltende
von Jakob van Hoddis
aus: expressionistische Gedichte, hg. von Peter Rühmkorf, Wagenbachs Taschenbücherei

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut

In allen Lüften hallt es wie Geschrei,

Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei

Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.

 

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken

 

 

Morfin

von Emmy Hennings

geboren am 17.1.1885 in Flensburg, Schauspielerin, Chansonette, Bekanntschaften mit Georg Heym, Ferdinand Hardekopf, Frank Wedekind und Hugo Ball, 1916 mitbeteilkigt an der Gründung und an den Aufführungen des legendären Cabaret Voltaire, 1920 Heirat mit Hugo Ball, gestorben am 10.8.1948 in Magliaso/Tessin

 

Wir warten auf ein letztes Abenteuer

Was kümmert uns der Sonenschein?

Hochaufgetürmte Tage stürzen ein

Unruhige Nächte - Gebet im Fegefeuer.

 

 

Wir lesen auch nicht mehr die Tagespost

Nur machmal lächeln wir still in die Kissen,

Weil wir alles wissen und gerissen

Fliegen wir hin und her im Fieberfrost.

Mögen Menschen eilen und streben

Heut fällt der Regen noch trüber

Wir treiben haltlos durchs Leben

Und schlafen verwirrt, hinüber...

"ÄTHERSTROPHEN"
von Emmy Hennings
DADA Zürich

Jetzt muss ich aus der großen Kugel fallen.

Dabei ist in Paris ein schönes Fest.

Die Menschen sammeln sich am Gare de l'Est

Und bunte Seidenfahnen wallen.

Ich aber bin nicht unter ihnen.

Ich fliege in dem großen Raum.

Ich mische mich in jeden Traum

Und lese in den tausend Mienen.

Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer.

Mich hynotisiert sein letzter Blick.

Wir sehnen einen Sommertag zurück...

Ein schwarzes Kreuz erfüllt die Kammer...

 

Gesang zur Dämmerung

von Emmy Hennings

DADA Zürich

"Oktaven taumeln Echo nach durch graue Jahre.

Hochaufgetürmte Tage stürzen ein.

Dein will ich sein -

Im Grabe wachsen meine gelben Haare

Und in Hollunderbäumen leben fremde Völker

Ein blasser Vorhang raunt von einem Mord

Zwei Augen irren ruhelos durchs Zimmer

Gespenster gehen um beim Küchenbord

Und kleine Tannen sind verstorbene Kinder

Uralte Eichen sind die Seelen müder Greise

Und flüstern die Geschichte des verfehlten Lebens.

Der Klintekongensee singt eine alte Weise.

Ich war nicht vor dem bösen Blick gefeit

Da krochen Neger aus der Wasserkanne,

Das bunte Bild im Märchenbuch, die rote Hanne

Hat einst verzaubert mich für alle Ewigkeit."

 

"TÄNZERIN"
von Emmy Hennings
DADA Zürich

"Dir ist als ob ich schon gezeichnet wäre

und auf der Totenliste stünde.

Es hält mich ab von mancher Sünde.

Wie langsam ich am Leben zehre.

Und ängstlich sind oft meine Schritte,

Mein Herz hat einen kranken Schlag

und schwächer wird's mit jedem Tag.

Ein Todesengel steht in menes Zimmers Mitte.

Doch tanz ich bis zur Atemnot.

Bald werde ich im Grabe liegen

Und niemand wird sich an mich schmiegen.

Ach, küssen will ich bis zum Tod."

 

EMMY HENNINGS
Nach dem Cabaret
DADA Zürich

"Ich gehe morgens aus dem Haus.

Die Uhr schlägt fünf, es wird schon hell,

Doch brennt das Licht noch im Hotel.

Das Cabaret ist endlich aus.

In der Ecke Kinder kauern,

Zum Markte fahren schon die Bauern,

Zur Kirche geht man still und alt.

Vom Turme läuten ernst die Glocken,

Und die Dirne mit wilden Locken

Irrt noch umher, übernächtig und kalt.

Lieb mich von allen Sünden rein.

Sieh, ich hab manche Nacht gewacht."

Tennyson

"Kommt meine Freunde,

Noch ist nicht zu spät,

Drum lasst uns neue Welten suchen!

Denn dies habe ich mir vorgenommen,

Als Segler überquere ich den Hoizont.

Und wenn uns auch die Kräfte fehlen,

Erd und Himmel zu bewegen, so blieb uns eins:

Das Temperament von Heldenherzen,

Das Zeit und Schicksal zwar geschwächt,

Doch das sich nie beirren ließ,

Zu streben, suchen und zu finden...

Und niemals aufzugeben."

Prolog (von Wolf Wondratschek, Gedichte/Lieder)

In Europa geboren,

begann ich die mörderische Reise 

durch alle Prophezeiungen der westlichen Welt.

 

In Deutschland

brachte ich Kartoffelbrei zum Blühen.

Das Fernsehen gab mir Gelegenheit, 

meine Meinung zu sagen.

Ich redete drauflos,

besoffen vom Leitungswasser wie alle Marxisten.

Mit einer Prinzessin im Arm,

die das Königreich zerkleinerte.

Das war gestern,

als der Professor durchs Gebirg ging.

Morgen, 

wenn alles vorbei sein wird,

werde ich Brot kauen, 

um mich zu segnen.

Macha 

von Wolf Wondratschek 

aus:Die Einsamkeit der Männer/Mexikanische Sonette/Diogenes 1983

 

Hochmütig schüttelt sie den Fächer aus

und schiebt ihn breit vor das Gesicht

und tanzt und läßt sich Zeit,

die Männer zu erregen-

 

sie sehen ihren Fächer zitternd sich bewegen,

ihre Augen aber sehen sie nicht.

Sie schauen, warten, wandern

hin und her, und jeder fühlt im andern

wütend nur den Wunsch, sie zu besitzen

Doch wehe, einer kommt zu nah. Dann 

stampft sie auf,

im Strumpfband wird das Messer blitzen.

 

In ihrer Nähe ist kein Platz - doch geht sie 

zuchtlos nachts noch einmal durch die 

Phantasie der Männer,

als wolle sie die Hand um jeden Nacken legen.

Letzte Ausfahrt 

von Wolf Wondratschek

aus: Wondratschek Gedichte/Lieder

 

Letzte Ausfajhrt

Dahinter nichts mehr

Letzte Ausfahrt

der blaue Autobus ist leer.

Sie haut sich 

ne Cola rein um nicht allein zu sein

Er sucht sich ein schattiges Plätzchen und 

 

Laß sie lügen

Laß sie betrügen

Laß sie die Motten kriegen

 

Letzte Ausfahrt

Dahinter nichts mehr

Letzte Ausfahrt

Dein Herz fällt sanft in Wellen tief ins Meer

The trouble with fiction is that it makes too much sense

Buddhismus zwischen Bier und Nescafe

Gott und Gemahlin werden auferstehn und langsam über Leichen gehn

Schau nicht zurück was einmal war

Was wiederkommt

Wirf alles weg und geh

 

Laß sie lügen

Laß sie betrügen

Laß sie die Motten kriegen

 

Der blaue Autobus

Dort steht er

Leer 

Letzte Ausfahrt

Nichts mehr

LYRIK/LYRICS

VOR DEN VÄTERN STERBEN DIE SÖHNE (Thomas Brasch) / VOM ROT DAS BRENNT WÜNSCHT ICH LIEDER FÜR UNS (Pannach und Kuhnert)...LYRIK/LYRICS auf DEUTSCH/ENGLISCH/FRANZÖSISCH/SPANISCH >> GRACIAS A LA VIDA

Thomas Rosenlöcher aus Dresden

"Wiepersdorf"

Umknarrt von Kiefernstangen

Park, Ententeich und Schloß.

Am Wegrand steht Apollo.

Ach drehte er sich um.

aus: Thomas Rosenlöcher: Am Wegrand steht Apollo, Gedichte, Insel-Bücherei Nr.1224



Ulrike Almut Sandig 
aus Leipzig 

non eye movement

/dann schläft es sich armend

dann bleiben zwei leben außen vor/ über vorsichtig legt sich mein bogen an deine braue

wir raunen uns richtig wir 

schießen uns weit

wir trauen und träumen zusäumen die augen/ ergeuden die nächte/ wir wechseln den schlaf/

aus "Zunder" Gedichte von Ulrike Almut SANDIG, Edition Wörtersee/Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke

Robert SCHINDEL
Wiener Lyriker / Im Herzen die Krätze/ Gedichte/ edition suhrkamp 1988

Kleines Emblem

Ich bin matt, über

Dies bläst unser Wind.

Vor dem Abend

In unserer Gegend

Werde ich nackt

Aus dem Traum rennen

Wie eine Neuigkeit.

Werner SÖLLNER, 
der aus dem Banat nach Deutschland kam

Das Land, das Leben

Was mir, ehrlich gesagt, zum Hals heraushängt.

liegt mir, ehrlich gesagt, am Herzen.

Hinter den Mülltonnen Hunde. Ich habe Bier eingekauft.

Im Gegenlicht verschwand die Geliebte, salut.

Ich stehe und sitze, alles unverwandt, ohne Halt, haltlos.

Auf Tuchfühlung mit der spärlichen Luft. Zärtlich bis aufs Messer.

So, höre ich, der du bist. Es regnet von unten nach oben.

Es st so dunkel, dass die Menschen leuchten.

Text aus Werner Söllner: Kopfland.Passagen / gedichte/ edition suhrkamp

BARBARA KÖHLER
Deutsches Roulette
Gedichte
edition Suhrkamp 1991

And I know someday/ They'll have to name a street after me...TOM WAITS

Die Sprache ist die Strafe. In sie müssen alle Dinge eingehen und in ihr müssen sie wieder vergehen nach ihrer Schuld und dem Ausmaß ihrer Schuld. Ingeborg Bachmann / Malina

 

"GEDICHT" von Barbara "Babs" Köhler

ich nenne mich du/ weil der Abstand

so vergeht zwischen uns wie Haut

an Haut/ wir sind nicht 

zu unterscheiden/ zu trennen/ eins/

und das Andere/ die Grenze ist

die Verletzung/ der Übergang

eine offene Wunde/ du nennst mich

ich/ wer von uns beiden sagt/

hier hast du ein Messer/

mach meinen Schnitt.

 

AMERICAN WAY OF MIDLIFE dito von Barbara Köhler

Die Spiegelfrau verrät dich

an den Tod/ hinter deinem Rücken

geht sie fort aus dem dreißigsten Jahr in dem du dich findest/

umstellt von Dingen Erinnerungen

Gewißheiten/ Verdacht /deine Sachen 

sind klebrig von Geschichten

die es zu schreiben nicht lohnt/

doch mit jedem Abwasch polierst du

sie auf Sehnsucht nach Gegenwart/

einem Ausland der anderen Liebe/

hoffnungsloserem Leben/

- am  besten du gehst jetzt

Zigaretten holn und kommst 

in diesem Film nicht zurück.

 

Albert Ostermaier (München/Dramatiker und Lyriker)

ratschlag für einen jungen dichter

als dichter musst du wissen wie man leute killt/ köpfe zwischen die zeilen klemmt/sie plätten/ satz für satz/das ist das blei/ das du hast/ein gutes gedicht braucht heutzutage einfach einen mord/damit die quote stimmt/sie nicht zum pinkeln gehn/wenn du um ihre herzen wirbst/musst du sie brechen...

aus: herz vers sagen von albwert ostermaier/suhrkamp verlag 1991 (erste auflage)

 

Faust aufs Herz

Das Morgenrot

Ist sehr schön und der Mensch

Hat ein Herz und es ist

Kühn eins zu haben.

Dito aus Herz Vers Sagenvon 1991 / Suhrkamp Verlag/ edition suhrkamp